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    Fehlerkultur

    Mit Fehlern positiv umzugehen, lohnt sich

    Organisationen verlangen im Zuge neuer Arbeits- und Managementmethoden von ihren Mitarbeitern, offen für Fehler zu sein, Fehler zuzulassen. Das ist leicht – bzw. kurz – gesagt. Der Weg dorthin ist oft weiter.

    Denn wer macht schon gerne Fehler? Seit ihrer Schulzeit wissen viele, dass Fehler mit Punktabzug und schlechteren Noten quittiert werden. Ein Makel also, haben sie gelernt, den es zu vermeiden gilt. Doch jetzt soll ein Fehler plötzlich halb so schlimm sein?!

    Das Motto „fail fast“ stammt aus der Welt der Startups und ist dort eine existenzielle Notwendigkeit: Nur wenn das Produkt bzw. die Dienstleistung schnell genug klar herausgearbeitet ist, mit dem eine erfolgreiche Positionierung gelingen kann, gibt es überhaupt eine Zukunft im Markt. Dabei bemisst sich das gebotene Tempo am vorhandenen Geld der Investoren und meint „schneller, als uns das Geld ausgeht“. In diesem Kontext ist ein Fehler ein unvermeidliches Ereignis auf der Suche nach dem, was die Kunden wollen. Es geht nicht darum, Fehler zu machen, sondern darum, systematisch aus ihnen zu lernen.

    Gut ist, wenn es gelingt, aus Fehlern Mehrwert entstehen zu lassen. Das geht, wenn die gewonnene Erfahrung ins weitere Tun einfließt und im nächsten Schritt bereits produktiv genutzt werden kann. Dazu ist es wichtig, dass Mitarbeiter Verantwortung übernehmen und Organisationen die Rahmenbedingungen schaffen, dass Fehler zu Lernen führen können. Offenheit, Mut und Fairness sind in diesem Zusammenhang genauso gefragt wie Disziplin und Methodik bei allen Beteiligten, damit sie miteinander systematisch und effektiv lernen können.

    Die Aufforderung zur positiven Fehlerkultur bedarf also in vielen Fällen einer Übersetzung, eines Perspektivwechsels sowie positiver Bestätigungen, damit sie in der erwünschten Weise verstanden und aufgegriffen wird.

    Dr. Anke Martin, 23.03.2019

    Vergesst den Begriff „Kultur“

    Edgar H. Schein auf dem Trias Kongress in Zürich am 24.6.2013

    Edgar H. Schein, Sloan Professor emeritus für Organisationspsychologie und Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, sprach auf dem eintägigen Kongress „Helping, Culture and the Concept of Leadership“, in Zürich über seine Konzepte von Helfen in Organisationen, Prozessberatung, Unternehmenskultur und Führung. Schein gilt als einer der Mitbegründer der Organisationspsychologie und Organisationsentwicklung. Eingeladen hatte das Züricher Trias Institut für Coaching, Supervision und Organisationsentwicklung unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Fatzer.

    Ed Schein’s Kernbotschaft: „Kultur“ ist ein Abstraktum, das keinerlei Informationen enthält. Außer vielleicht, dass das, worum es eigentlich geht, (noch) nicht genauer benannt werden kann oder will. Wichtig ist daher für die professionellen Begleiter, wenn sie zu einer Kulturveränderung oder -verbesserung eingeladen werden, den Begriff beharrlich zu hinterfragen und mit konkreten Beispielen und Leben füllen zu lassen. „You have to start with the business problem.“ Erst diese Ausrichtung auf das konkrete Anliegen gepaart mit der professionellen Fragehaltung aus Neugier und bewusstem Nicht-Wissen ermöglicht gute Lösungen, die auch Kulturentwicklungen enthalten können. Die fragende Haltung bewahrt vor Kurzschlüssen und Missverständnissen, die gern entstehen, wenn der Zuhörer eine (zu) entgegenkommende Haltung einnimmt und den Sprechenden schnell verstehen möchte bzw. ihn zu verstehen meint. Es gilt, bewusst zu haben, dass die Wahrnehmungswelt eines jeden Menschen anders aussieht und dass daher auch die verwendeten Begriffe nicht die gleichen Bedeutungen haben müssen. Der Begriff „Kultur“ verführt vorschnell zu vermeintlichem Wissen oder Verstehen – genauso wie andere Verallgemeinerungen und Abstraktionen. Erst in Kontakt mit den konkreten Problemen, Ereignissen und Verhaltensweisen, die oft mit „Kultur“ kurzerhand zusammengefasst werden, wird erkennbar, was vorhanden ist, worauf es ankommt, und ggf. welche Veränderungen im Verhalten der Menschen gemeint oder gewünscht sind.

    Dr. Anke Hofmann, 2013