Mit Fehlern positiv umzugehen, lohnt sich.
Organisationen verlangen im Zuge neuer Arbeits- und Managementmethoden von ihren Mitarbeitern, offen für Fehler zu sein, Fehler zuzulassen. Das ist leicht – bzw. kurz – gesagt. Der Weg dorthin ist oft weiter.
Denn wer macht schon gerne Fehler? Seit ihrer Schulzeit wissen viele, dass Fehler mit Punktabzug und schlechteren Noten quittiert werden. Ein Makel also, haben sie gelernt, den es zu vermeiden gilt. Doch jetzt soll ein Fehler plötzlich halb so schlimm sein?!
Das Motto „fail fast“ stammt aus der Welt der Startups und ist dort eine existenzielle Notwendigkeit: Nur wenn das Produkt bzw. die Dienstleistung schnell genug klar herausgearbeitet ist, mit dem eine erfolgreiche Positionierung gelingen kann, gibt es überhaupt eine Zukunft im Markt. Dabei bemisst sich das gebotene Tempo am vorhandenen Geld der Investoren und meint „schneller, als uns das Geld ausgeht“. In diesem Kontext ist ein Fehler ein unvermeidliches Ereignis auf der Suche nach dem, was die Kunden wollen. Es geht nicht darum, Fehler zu machen, sondern darum, systematisch aus ihnen zu lernen.
Fließt die gewonnene Erfahrung ins weitere Tun ein, kann sie im nächsten Schritt bereits produktiv genutzt werden. Organisationen schaffen dafür am besten die Rahmenbedingungen, dass Fehler zu Lernen führen können. Es braucht Offenheit und Verantwortungsgefühl, Mut und Fairness, genauso wie Disziplin und Methodik sowohl bei Führungskräften wie auch bei Mitarbeitern, um miteinander systematisch und effektiv zu lernen.
Die Aufforderung zur positiven Fehlerkultur bedarf also in vielen Fällen einer Übersetzung, eines Perspektivwechsels sowie positiver Bestätigungen, um in der erwünschten Weise verstanden und aufgegriffen zu werden.
Dr. Anke Martin, 23.03.2019
